Die Hände der Tafel

Wie können wir die weltweite Lebensmittelverschwendung bremsen?

In Deutschland gibt es Lebensmittel im Überfluss – und dennoch herrscht bei vielen Menschen Mangel. Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich: Sie sammeln „überschüssige“, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel, und geben diese an Bedürftige weiter. 

Ja es gibt sie – die selbstlos engagierten freiwilligen Helfer, die für soziale Einrichtungen mit Herzblut jahrelang und unentgeltlich Ihre Zeit für die Gesellschaft opfern.

Ich hatte das große Glück Petra Willner, stellvertretende Vorsitzende der “Ingolstädter Tafel” treffen zu dürfen. Sie verschaffte mir einen Einblick hinter die Kulissen der Tafel.
Petra ist seit 12 Jahren in der Tafel tätig und das eigentlich durch Zufall. Damals war die Tafel noch ganz bescheiden im Franziskaner Kloster untergebracht. Petra ist dort zufällig auf die Menschenmengen aufmerksam geworden, die da geduldig gewartet haben. Das hat sie sehr neugierig gemacht und seitdem ist sie infiziert den Tafelgedanken selbst zu leben und auszubauen

Kurz zur Geschichte der Tafel:

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Die Tafelidee stammt aus den USA. Dort wurden schon Mitte der sechziger Jahre unter dem Namen „city harvest“ in New York Lebensmittel gesammelt und an Bedürftige verteilt. 1993 wurde die Idee von einer Gruppe Berliner Frauen übernommen und die erste deutsche Tafel gegründet. Seither ist ihre Zahl ständig gewachsen. Heute sind über 900 Tafeln im Bundesverband „Deutsche Tafel e. V.“ zusammengeschlossen.

Derzeit spenden rund 60.000 Menschen in Deutschland ihre Freizeit und ihr Know-how für die über 900 Tafeln in Deutschland und für die 500.000 Bedürftige, die die Spenden in täglichen bis wöchentlichen Rationen – teils direkt als Ware, teils als Mahlzeit in Suppenküchen, erhalten. Auf diese Weise werden jährlich mehrere 10.000 Tonnen Ware, die größtenteils aus Überproduktion stammen, vor der Vernichtung bewahrt.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist es in Deutschland zu einem deutlichen Anstieg der Bedürftigen gekommen und man rechnet zur Zeit mit fast 15 Millionen Armen. Besonders die Kinderarmut hat sich entsprechend auf 2 Millionen erhöht. Hier Linderung zu verschaffen haben sich die Tafeln zur Aufgabe gemacht, Bundesweit unterstützen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln – knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Die Ingolstädter Tafel e.V. wurde im September 1999 gegründet und ist Mitglied im Bundesverband „Deutsche Tafel e. V.“. Der Verein hat zur Zeit 50 Mitglieder und  ca. 100 ehrenamtliche Helfer erbringen derzeit jährlich über 10.000 Arbeitsstunden. In drei Ausgabestellen werden etwa 1500 bedürftige Menschen und 19 soziale Einrichtungen, sowie 7 Schulen mit wöchentlichen Lebensmittelrationen versorgt.

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5  Tage die Woche holen freiwillige Fahrer wie beispielsweise Fritz und Erwin die Ware direkt bei den Lebensmittelspendern ab. Hier in Ingolstadt sind es 40 Supermärkte, Metzgereien, Bäckereien und der Viktualienmarkt die die Tafel mit Lebensmittelspenden unterstützen.

Die Lebensmittelausgabe findet 2 Tage die Woche statt und erfolgt für die vor der Tafel wartenden Bedürftigen nach dem Losverfahren. Auch gibt es gesondert “Stammkunden” und soziale Einrichtungen, die in einem separatem Verfahren Ihre Ration zugeteilt bekommen.

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Bei Ankunft der Lieferungen muss die Ware komplett auf Verwertbarkeit geprüft, nach verschiedenen Bereichen sortiert, gegebenenfalls rationiert und sofort gekühlt werden. Die Freiwilligen der Tafel sortieren unter anderem das Gemüse, da wegen einem verdorbenem Stück in einer Packung, bei den Herstellern und Vertreibern somit das ganze Produkt nicht mehr für den normalen Verbraucher als verwertbar gilt. Da viele Waren kurz vorm Ablaufdatum stehen, muss die ganze Kette von der Lieferung bis zur Auslieferung unverzüglich abgewickelt werden. Die so qualitativ einwandfreien Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, werden somit an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte kostenlos oder zu einem symbolischen Betrag, verteilt.

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Ja das sind also die Hände, die soviel Gutes tun !

In meinem Artikel Save the waste kann man auch nachlesen, welche internationalen Organisationen diesen Schritt wagen. Ja es ist ein großer Schritt, um der gezielten Überproduktion und Verschwendung unserer Ressourcen entgegenzuwirken.

Das Prinzip der Tafel: Jeder gibt was er kann !
Aber wenn viele es tun, können wir so einiges bewirken !
Packen wir es an !

Ich möchte mich hiermit nochmals für den freundlichen Empfang des ganzen Teams der Ingolstädter Tafel bedanken.

 

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